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Frankfurter Buchmesse 2026: Was wir am XPLR-Stand gelernt haben

Fünf Tage in Halle 5.0, Besuch aus allen drei Zielgruppen und ein Satz, der hängen bleibt: „Endlich mal was Neues.“ Unser Rückblick: was wir auf der Messe gesehen und gehört haben, welche Zielgruppe uns überrascht hat und was wir in den drei Wochen danach gebaut haben.
Vom 7. bis 11. Oktober war PanelWave eines von vier bayerischen Projekten auf dem Stand von XPLR: MEDIA in Bavaria, Frankfurter Buchmesse, Halle 5.0, A71. Angekündigt hatten wir das hier im Blog, kurz nach unserem öffentlichen Start. Drei Wochen später kommt nun der versprochene Rückblick.
Dass er so spät kommt, ist Absicht. Statt direkt nach der Messe zu posten, haben wir unsere Notizen vom Stand ausgewertet, das Feedback in die Roadmap übernommen und umgesetzt. Was dabei herausgekommen ist, steht am Ende.
Selfie-Schlangen und Innovation in Buchform
Was auf der Buchmesse als Erstes auffällt, sind die Schlangen. Viele Verlage hatten Fotopunkte für Influencer:innen und Bookfluencer:innen aufgebaut: Szenen aus ihren Büchern, eine Manga-Schaukel, ein riesiges aufgeschlagenes Buch. Man stellte sich an, um sich mitten in einer Geschichte fotografieren zu lassen. Wo es etwas umsonst gab, wurde die Schlange lang, und umsonst gab es vieles. Am Stand von Sebastian Fitzek standen eigens Absperrgitter, für Fotos mit Motiven aus seinen Büchern und für Gewinnspiele. Als der Stand neben uns etwas verloste, reichte die Schlange so weit, dass man kaum noch zu uns durchkam.
Innovation hieß auf der Messe vor allem: neue Bücher. Neue Titel bekannter und neuer Autorinnen und Autoren, dazu Bühneninterviews mit Prominenten wie Robert Habeck und Sebastian Fitzek. Technik war die Ausnahme. Umso besser waren wir am XPLR-Stand aufgehoben. Hier und gegenüber bei „The Länd“, dem Stand aus Baden-Württemberg, drehte sich alles um Innovation und Technologie im Publishing.
Zwei Dinge fielen außerdem auf. In den internationalen Hallen waren viele Stände nur von Mittwoch bis Freitag besetzt und am Wochenende schon abgebaut. Und Messepartys, wie man sie von der CeBIT kannte, spielten kaum eine Rolle. Es gab Empfänge, doch viele verbrachten den Abend offenbar lieber mit ihren neuen Büchern.
Am Stand: drei Zielgruppen, ein Home Run
Angereist waren wir mit drei Zielgruppen im Kopf: Verlage, Comic-Zeichner:innen und Autor:innen sowie Lesende. Alle drei kamen vorbei, und das war das Wertvollste an dieser Woche. Jede Gruppe hat uns etwas anderes erzählt, und wir haben alles mitgeschrieben.
Wer an unserer Ecke stehen blieb, war von Studio und Player begeistert. Mit der Live-Demo hatten wir wirklich einen Home Run. Den Satz der Woche sagte eine Mitarbeiterin eines großen Verlags: „Endlich mal was Neues.“
Die Besucherinnen und Besucher kamen aus viel mehr Bereichen, als wir erwartet hatten: der Eigentümer historischer Archive, Selbständige aus der Psychotherapie, B2B-Verlage, Veranstalter von Manga-Festivals, Graphic-Novel-Verlage für ein erwachsenes Publikum, Lizenznehmer und viele Lesende. Oft hatten sie einen Hintergrund in Design oder Informatik und wollten genau wissen, wie das alles technisch funktioniert. Spannend waren die Lizenznehmer: Ihnen sind die Hände gebunden, wenn sie lizenzierte Bilder verändern oder nachträglich animieren möchten.
Am Freitag, dem ersten Publikumstag, moderierte XPLR an der Kaffee-Theke des Stands das Interview „Graphic Novels & Comics, made for screens“. Die Theke war voll.
Was am besten ankam
Vier Dinge haben wir immer wieder gehört:
- Video-Panels, eins nach dem anderen. Mehrere Panels stehen auf einer großen Seite, und ihre Videos spielen der Reihe nach in Leserichtung ab.
- Der Graph-Editor und damit die Möglichkeit, eine Graphic Novel interaktiv zu gestalten. Panels sind Punkte auf einer Landkarte, Entscheidungen sind Pfeile.
- Das offene Format und der Open-Source-Player. Dein Werk ist eine Datei, die dir gehört. Sie funktioniert auch ohne uns weiter.
- Der Work Pass. Viele Graphic Novels entstehen abends und am Wochenende, neben dem eigentlichen Job. Wer einmal pro Werk zahlt statt monatlich im Abo, kann sich auch ein ganzes Jahr Zeit lassen, ohne dass die Kosten mitlaufen.
Eine Zielgruppe, mit der wir nicht gerechnet hatten: B2B
Das wichtigste Feedback betraf eine Zielgruppe, die gar nicht auf unserer Liste stand. Unser direkter Standnachbar mybreev entwickelt Compliance-Schulungen fürs Firmen-Intranet. Die sind schon heute multimedial. Als interaktive Graphic Novel könnten sie noch packender werden.
Einen Tipp, auf den ich selbst nicht gekommen wäre, gab mir der Geschäftsführer eines Kinderbuchverlags: Museen und Gedenkstätten ansprechen. Texttafeln allein reichen dort nicht mehr. Gefragt sind Formate, die auch jüngere Besucherinnen und Besucher erreichen, und eine interaktive Graphic Novel am Kiosk-Terminal ist genau so ein Format.
In den Gesprächen am Stand kamen noch mehr Ideen zusammen: Bedienungsanleitungen, Kochrezepte, Bewerbungen, Intranet-Dokumente in Bildern und bessere E-Learning-Kurse. Immer geht es darum, etwas Kompliziertes mit Bildern und einer Geschichte zu erklären statt mit Folien.
Zwei Features, die wir diese Woche veröffentlicht haben, passen fast perfekt dazu. Mit Content-Widgets kommen Downloads, ein Audio-Player, Videos, Scrolltexte und eingebettete Webseiten direkt ins Panel. Und mit Kapitel einbetten setzt du jedes Kapitel eines Werks als eigenen Player auf eine lange Webseite, mit deinem eigenen HTML dazwischen. So lässt sich eine Graphic Novel immer wieder durch Text, ein Quiz oder ein Formular unterbrechen, ganz so, wie es ein Kurs braucht.
Der QR-Code im gedruckten Buch
Eine Idee brachten Graphic-Novel- und Comic-Verlage immer wieder ins Gespräch: einen QR-Code im gedruckten Buch. Er führt zu erweiterten Inhalten, etwa zur Geschichte in animierter Form oder zu ihren Abzweigungen wie der Vorgeschichte einer Figur oder einem alternativen Ende. So wird die digitale Ausgabe zum Bonus, der das gedruckte Buch bereichert. Und weil der gedruckte Anhang schrumpft, sinken die Druckkosten.
Uns gefällt diese Idee sehr, weil Print und Digital hier zusammenarbeiten, statt sich Konkurrenz zu machen. Wenn du das als Verlag mit einem Titel aus deiner Backlist ausprobieren möchtest, ist unser Verlags-Pilot der richtige Einstieg.
Nicht jede Tür ging auf
Manche Kinderbuchverlage blieben zurückhaltend. Mehrfach hörten wir: „Wir wollen die Kinder doch gerade weg von den Bildschirmen holen.“ Dort steht das gedruckte Buch weiter im Mittelpunkt, eine digitale Zweitverwertung ist noch kein Thema. Das ist eine nachvollziehbare Haltung und für uns ein wichtiger Hinweis.
Wo PanelWave in der KI-Debatte steht
KI war auf der Messe überall Thema. Aus der Debatte „für oder gegen generative KI“ hält sich PanelWave weitgehend heraus, denn es kommt erst später im Prozess zum Einsatz. PanelWave ist ein Publishing-Werkzeug: Es setzt fertiges Material voraus und bereitet es für Bildschirme auf.
- Zuerst das Skript. Es entsteht außerhalb von PanelWave, zum Beispiel in einem Drehbuchprogramm wie Final Draft oder in einem Spezialwerkzeug wie Throughline von Albert Bozesan.
- Dann die Bilder. Sie werden von Hand gezeichnet und eingescannt, in Photoshop oder einem anderen Programm digital gemalt oder, bei einer neuen Gruppe von Creators immer häufiger, mit generativer KI erzeugt. Dass Figuren und Orte dabei von Bild zu Bild gleich aussehen, ist inzwischen weitgehend gelöst.
- Dann PanelWave. Daraus werden Panels, Ebenen, Wege, Sprachen und Ton, für jeden Bildschirm.
Am Stand haben wir beide Seiten getroffen: Menschen, die alles selbst zeichnen, und Autor:innen, die mit KI-Bildern ein Soloprojekt in ihrer Nische verwirklichen wollen.
Ein Rundgang über die Messe zeigt auch, wie viele Bücher jedes Jahr erscheinen. Was das bedeutet, wurde mir in einem lustigen Moment klar. Am Stand eines New Yorker Verlags fragte mich eine Mitarbeiterin sichtlich genervt, ob ich wieder so ein Autor sei, der ihr ein Buch andrehen wolle. Als ich sagte, dass es um Technologie geht, entspannte sie sich sofort und wurde neugierig. Offenbar sind auf der Messe sehr viele Autorinnen und Autoren auf Verlagssuche, und einen Verlag zu finden, ist nicht leicht. Auch deshalb interessieren sich viele für neue Wege, ihre Bücher zu veröffentlichen.
Im Self-Publishing gibt es ein anderes Problem: Einige schwarze Schafe erstellen Bücher massenhaft mit KI und überschwemmen damit Amazon und andere Plattformen. Ein PanelWave-Werk macht dagegen echte Arbeit, und genau darin liegt eine Chance. Mit Video-Panels, interaktivem Storytelling, einer eigenen Panel-Aufteilung für jedes Bildschirmformat und Übersetzungen hebt es sich deutlich von dem ab, was es heute gibt. So kann es neue Leserinnen und Leser gewinnen, ohne sich dem harten Wettbewerb auf dem klassischen Buchmarkt stellen zu müssen.
Bleibt die Frage nach der Plattform. Lesende verbringen viel Zeit in den großen sozialen Netzwerken, und dort gibt es im Grunde nur drei Formate: Video, Bild und Text. Ein neues Format braucht deshalb ein eigenes Zuhause, bei uns den Reader, und nutzt Social Media, um gefunden zu werden.
Erst bauen, dann posten: Das ist seit der Messe entstanden
Vor der Messe floss der Großteil meiner Zeit in die Technik, damit PanelWave vorführbereit war. Vertrieb und Akquise kamen dabei zu kurz, das holen wir jetzt nach. Auch nach der Messe stand zuerst das Produkt im Mittelpunkt. Zwischen dem 7. und 28. Oktober sind im Changelog 22 Einträge dazugekommen, mit drei neuen Formatversionen (1.8 bis 1.10) und sieben Player-Releases auf npm. Die wichtigsten Neuerungen:
- Paket mit Player: dein Werk samt Open-Source-Player als ZIP, offline lesbar oder auf jeden beliebigen Webspace hochladbar (Self-Hosting).
- Geletterter A4-PDF-Export: die Seitenansicht mit echten Sprechblasen, druckfertig, dazu Druck-Standbilder für Video-Panels.
- Sprechblasen wachsen mit ihrem Text, in jeder Sprache. Und die Panel-Ansicht füllt jetzt den ganzen Bildschirm.
- Musik, Ambience und Soundeffekte für das ganze Werk, ein Kapitel, eine Seite oder ein einzelnes Panel.
- Das Studio-Redesign: Dashboard, Benachrichtigungen und alle Backstage-Werkzeuge, neu gebaut für 4K-Bildschirme.
- Gruppen und Rechte pro Werk, mit Gast- und Publisher-Rolle für Verlage, Studios und Agenturen.
- Kapitel einbetten und Content-Widgets für Kurse, Anleitungen und Ausstellungen.
- Getimte Sprechblasen: Auf einem Video-Panel erscheint der Dialog passend zum Clip.
Danke an alle, die vorbeigekommen sind, die Demo ausprobiert und uns erzählt haben, was sie brauchen. Vieles davon findet sich in dieser Liste wieder.
Danke an das Team von XPLR: MEDIA in Bavaria für den Platz am Stand, die Moderation und eine großartige Woche, und an unsere Standnachbarn mybreev, Extended Books und TrekKI. Fotos: Frank Schütz und Jens Hoppe. TARMAC Episode 1 © 2026 Peak State Entertainment GmbH, Ausschnitt mit Genehmigung.


